[ nach unten | Home | Kap. 1 | Kap. 2 | Kap. 3 | Kap. 4 | Kap. 5 | Kap. 6  ]


VI

 

D

er Applaus hörte gar nicht mehr auf. Ja, man konnte für einmal wirklich ohne Übertreibung von tosendem Beifall sprechen. Mit Genugtuung konstatierte der Redner, daß es ihm nach so vielen Jahren immer noch gelang, seinem Ruf als großer Gelehrter und Vortragender gerecht zu werden. Er blickte von oben in den abgedunkelten Kongreßsaal hinab, auf das Publikum in seinen weichen Sesseln, das ihn feierte. Ihn, Martin A. Gresewitz, den großen Doyen der Gräzistik. Lächelnd nickte er höflich nach links und rechts in die Tiefen des Saales. Diese Augenblicke waren es, die seinem Altphilologen-Dasein Sinn gaben, die ihn für die Demütigungen der profanen Universitätsbürokratie entschädigten. Er raffte sein Manuskript zusammen – er würde auf diese Absicherung beim nächsten Mal wirklich verzichten können – und schritt heiter-gemessen die fünf Stufen hinab, die das Podium von dem mit schalldämpfendem Teppich ausgelegten Saal trennten.

Die folgenden Momente waren für Professor Gresewitz der Inbegriff von Glückseligkeit: Er beantwortete die Fragen französischer Latinisten zu griechischen Spezialthemen auf Englisch, schüttelte fremde und wohlbekannte Hände, tauschte Zeitschriftenausschnitte, Sonderdrucke und Visitenkarten aus und plauderte fachmännisch mit seinesgleichen. Mit den Jahren hatte man gelernt, wie man sich der – zweifellos schmeichelhaften – Zudringlichkeiten der Kollegen nach einer exakt bemessenen Zeit des Plauderns (nicht zu lang, nicht zu kurz) entzog: durch unauffällige, aber nichtsdestoweniger eindeutige Hinweise auf seine Unentbehrlichkeit an anderer Stelle nämlich. Auch diesmal wurden Gresewitz’ Antworten kürzer, gedrängter, er selbst ungeduldiger, so daß es seinem Gegenüber als große Gnade erscheinen mußte, sozusagen als «nun aber wirklich Letzter» noch sein Anliegen vortragen zu dürfen.

Dann war es vorbei. Professor Gresewitz verließ federnden Schrittes den Kongreßsaal III «Vancouver» und genoß die Vorstellung, daß die immer diffuser und leiser an sein Ohr dringenden Stimmen nur eines besprachen: ihn. Seine bevorstehende Emeritierung würde nichts an seinem traditionellen Kogreßvorsitz ändern. Während der rundum verspiegelte Fahrstuhl ihn unter gedämpfter Musikbegleitung in die 14. Etage des «Boston Holiday Inn» beförderte, brachte er Einstecktuch und Krawatte in Ordnung, während er sich zufrieden zuzwinkerte.

Eine halbe Stunde später trat Martin A. Gresewitz ins Freie (er hatte übrigens in Erwägung gezogen, seinen Namen in der Reihenfolge «A. Martin Gresewitz» aufs Programm drucken zu lassen, wie er es bei amerikanischen Kollegen gesehen hatte, den Plan dann aber mit Rücksicht auf zynische Bekannte aus Europa wieder verworfen). Von dem kleinen Straßencafé aus hatte man freie Sicht auf den großzügigen Eingang des gegenüberliegenden Parks. Gewandt hatte Gresewitz sich eine Mentholzigarette aus dem Silberetui geschnappt und sie nachdenklich in das Mundstück gesteckt. Er hatte Zeit. Viel Zeit. Und das tat gut. Von links näherten sich lachend zwei junge Mädchen in enganliegender, bunter Sportbekleidung auf Rollschuhen. Gresewitz ließ sich von der angenehm warmen herbstlichen Abendstimmung entführen. Ein Hotdogstand am Parkeingang. Spielende Kinder. Eine ältere Frau führt ihren Hund spazieren. Unbeschwerter Feierabend. Fröhliche junge Leute aus allen Gegenden der Welt.

Aus allen Weltgegenden waren sie gekommen, um ihn zu hören – unter anderem natürlich. Der Altphilologie ging es schlecht, das Fach war im Aussterben begriffen, besonders in Europa. Die wenigen guten Nachwuchswissenschaftler verteilten sich schnell auf die begehrten amerikanischen Lehrstühle. Die Kehrseite der Medaille war, daß man sich auf solchen Kongressen nahezu vollzälhlig versammeln konnte. Man kannte sich – man war eine große Familie. Von überall her kamen sie, die letzten Vertreter dieser einstmals großen Königsdisziplin, die wild entschlossen waren, die Ehre ihres stolzen Faches trotzig zu verteidigen gegen alle Anfechtungen der so schnell vergänglichen Epochen der Moderne, Postmoderne, Postpostmoderne und was da immer kommen mochte. Sie würden sie alle überdauern. Noch gab es sie – in Amerika, Asien, Australien, Europa, gerade auch in Osteuropa.

Es durchlief Gresewitz plötzlich siedendheiß. Osteuropa – da sollte doch dieser Tage der neue IKS-Kollege aus Litauen ankommen. War das nicht am Ende sogar heute? Gresewitz waren die alltäglichen organisatorischen Obliegenheiten, die sein Amt beschwerlich machten ein Graus – er genoß es, zu repräsentieren. Das hier aber konnte peinlich ausgehen, man hatte immerhin eine gewisse Verantwortung dem Gast gegenüber. Er zog ein Handy aus seiner Handschlaufentasche und war schon etwas beruhigt, als er, wenn auch etwas wacklig, regelmäßige Ruftöne vernahm. Seine Hand fuhr wie von selbst durchs Haar und strich über die linke Augenbraue, während er wartete.

«Frau Zischer, ist das ein Glück, daß ich Sie erreiche – mein Gott, bei Ihnen muß es ja schon Nacht sein, ich habe Sie doch hoffentlich nicht geweckt.»

«Na ja, normalerweise schlafe ich um Mitternacht schon, Herr Gresewitz. Aber heute ist was anderes.»

«Was wäre ich nur ohne Sie! Sie denken auch wirklich an alles. Offengestanden ist mir der Herr Semonta erst jetzt eben eingefallen, ist der schon heute gekommen?»

«Smetona, Herr Gresewitz, Smetona! Kommt drauf an. Er hätte heute kommen sollen, jetzt ist aber genau genommen schon morgen. Aber wir sind guter Dinge, er muß jede Minute eintreffen – alles vorbereitet, Sie kennen mich doch, Ihre Frau hat liebenswürdigerweise auch mitgeholfen.»

«Ja, auf Sie kann man sich wirklich verlassen. Da fällt mir ein Stein vom Herzen. Sie können sich ja nicht vorstellen, was hier los ist. Ich habe keine freie Minute. Mein Vortrag soll übrigens ‹splendid› gewesen sein. Nun gut. – Dann wird ja bei Ihnen bald einiges los sein – grüßen Sie den Neuankömmling herzlich von mir. Ich lasse von mir hören.»

In Bellnau war gar nichts los. Seit fünf Uhr nachmittags wartete Frau Zischer in der festlich geschmückten Eingangshalle des IKS-Neubaus, der mit der Ankunft des Direktors inoffiziell bereits vor der öffentlichen Feier eingeweiht werden sollte. Einige freiwillige Studentinnen hatten geholfen, den Saal zu schmücken, Professor Klüstrow, im Nebenberuf ein leidenschaftlicher Indogermanist alter Schule, hatte voller Stolz ein Transparent mit einem litauischen Willkommensgruß entrollt und trainierte seither an der neuen Beleuchtungsanlage. Um sieben war Frau Uta Gresewitz mit Selbstgebackenem eingetroffen. Jenny Klepzik (die eigentlich für die weibliche Kandidatin, Gudrun Drobitzki, votiert hatte) hatte ein signiertes Exemplar des teuren «Bellnauer Jahrbuchs» als kleines Geschenk der Buchhandlung UraNuss für den Gast bereitgelegt. Sogar Henning Wembel war zur allgemeinen Überraschung in edlem Tuch aufgekreuzt und hatte mit Frau Lemmings weitere Stühle herbeigeschafft. Professor Smetona war auf acht Uhr erwartet worden. Aber man hatte Verständnis für die Verspätung, die bei solchen Distanzen ja nicht ausbleiben konnte.

Wembel hatte sich um halb neun schon wieder verabschiedet, mit der Bemerkung, er sei Realist genug, um die Nacht nicht wegen einer läppischen Trabi-Panne unproduktiv verstreichen zu lassen; man könne ihn ja im Fall der Fälle telefonisch erreichen. Um neun Uhr hatte Frau Klepzik den Lichtorgel spielenden Klüstrow angeherrscht, er solle doch endlich mit dieser nervtötenden Kinderei aufhören, worauf der sich unauffällig in seinen Keller verzogen hatte. – Die erwartungsfrohe Stimmung war längst verflogen und hatte einer gereizten Katerstimmung Platz gemacht. Frau Zischer hatte ihr Verständnis geäußert, falls jemand gehen wolle, sie würde die Stellung halten. Seit elf Uhr war Frau Zischer allein – Gresewitz’ Gattin hatte bis halb elf ausgeharrt und dann die Reste Ihres Gebäcks wieder mitgenommen. Gegen zwölf war dann der Anruf von Gresewitz gekommen. Die Hoffnung schwand, aber sie stellte sich immer wieder den armen Reisenden vor, wie er hier nachts vor verschlossenen Türen stehen würde. Jemand mußte ihm doch seine Unterkunft zeigen. Einmal war sie aus dem Halbschlaf hochgeschreckt – sie hatte etwas gehört und schaute angestrengt durch die Glasfront auf den beleuchteten Vorplatz.

Aber es war nur Wenzel Klüstrow gewesen, der geistesabwesend zum Parkplatz schlurfte.

 

 

Aufdringliche Küchengerüche durchdrangen die Räume der Wohngemeinschaft an der Stedtnauerstraße. Laute Musik dröhnte aus dem Wohnzimmer. Am Glastisch in der Mitte der Küche hatte sich Othmar Asche eingerichtet. Ordner, Schnellhefter, Textmarker und andere Utensilien waren um seinen Laptop herum aufgetürmt. Er versuchte seine letzten Vorlesungsnotizen in den Computer zu übertragen – und für diese bedeutungsvolle Aufgabe, so hatte Othmar seinen Mitbewohnern deutlich gemacht, war sein eigener Schreibtisch entschieden zu klein. Überhaupt war er der Überzeugung, daß er als Dienstältester – die Wohnung war schließlich auf seinen Namen gemietet – sehr wohl gewisse Vorrechte beanspruchen dürfe.

Beat Inderbitzin war schon seit Stunden in der Küche zugange. Er hatte schon vormittags eingekauft, Brötchen belegt und Getränke kühl gestellt. Soeben war er dabei, drei Brathähnchen vor dem zweiten Ofengang kunstvoll zu marinieren. Seit seinem Einzug in die Stedtnauerstraße hatte sich Beat darum bemüht, im Haushalt eine passable Figur abzugeben (nicht zuletzt, um Susanne zu beweisen, daß auch Männer dazu ganz gut in der Lage waren). Das war ihm so gut gelungen, daß er mitlerweile der einzige war, der sich noch um Hausarbeiten kümmerte. Die Stimmung war geladen. Beats Nerven lagen blank. Othmar machte nicht die geringsten Anstalten, auch nur den Tisch freizuräumen.

«Othmar! Hör einmal, wer kommt jetzt eigentlich alles zum Nachtessen?» rief Beat gereizt und trocknete sich die Hände ab. «Und – könntest du nicht jeweils wenigstens das Fenster öffnen, wenn du rauchst?» Othmar verschränkte die Hände hinter dem Kopf und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Verbissen zerhackte Beat eine Zwiebel und schmiß die Stücke in heißes Öl.

«Na, komm schon, Mister Schweiz. Ich kann doch nicht jedesmal eine Gästeliste schreiben; sei doch mal ein bißchen locker. – Hast du eigentlich noch alles im Griff? Das riecht plötzlich so komisch …» Er wandte sich zur Tür: «Ah, da kommt ja endlich die Verstärkung!»

Unter irrem Gelächter und mit großem Getöse stürzte Susanne mit Detlef und Kiki Wentzlaff im Schlepptau herein. Detlef, offenbar leicht beschwipst, ließ sich auf einen Stuhl fallen und zog Susanne, die glucksend die Augen verdrehte, auf seinen Schoß. Sehr ernst erkundigte sich die blasse Kiki bei Beat, ob sie ihm irgendwie helfen könne. Er schüttelte grimmig den Kopf und pfefferte das kleingeschnitte Gemüse in die Pfanne.

«Puh, ist das aber stickig hier!» kreischte Susanne und fächelte sich gekünstelt Luft zu, «wie könnt ihr das bloß aushalten!» Wieder Gewieher.

«Die kleinen Dinger hier schmecken ja wirklich toll, Beat! Was ist denn da drin?» Das kam von Detlef, der unerlaubterweise vom Gebäck genascht hatte. Es klingelte. «Das wird wohl Holger sein. Läßt du mich mal schnell durch, Susanne?» Etwas wacklig ging Detlef zum Aufzug.

«Himmel, Kiki! Du bringst ja alles durcheinander. Was ist denn das für ein Streß? Es ist doch Wochende!» Kiki fuhr unbeirrt fort, den Tisch abzuräumen und warf Othmar einen abschätzigen Blick zu.

Detlef kam zurück. Er hing schlaff zwischen Holger Salomon und der zierlichen Monika Eggebert, die ihn kaum stützen konnte, und spielte den schwer Betrunkenen. Dahinter folgte, sichtlich verunsichert – Jenny Klepzik. Beat hatte sie leichtfertigerweise nach der IKS-Sitzung eingeladen und befürchete nun das Schlimmste. Als wären die Eltern früher als erwartet in die Schülerparty geplatzt, machte sich Mißbehagen breit.

«Hallo, guten Abend! Wer wohnt denn nun eigentlich hier? Ich hab da nämlich was Kleines aus der UraNuss mitgenommen.» Die Klepzik war stolz auf ihren guten Draht zu den Jungen – letztlich gehörte sie ja trotz ihrer 52 Jahre immer noch dazu. Überdreht-erwartungsvoll sah sie sich um und legte das Buch dann resigniert auf die Anrichte.

Susanne flüsterte Detlef eindringlich ins Ohr. Der war plötzlich nüchtern. Othmar riß Balkontüre und Fenster auf und leerte die Aschenbecher. Detlef reichte Käsebrötchen und Weißwein. Monika massierte ihre Schulter. Nur Holger saß mit verschränkten Armen in einer Ecke.

Später stand Beat allein auf dem Balkon. Er hatte die Küchenschürze abgestreift und die Balkontüre angelehnt. Von innen hörte man gedämpfte Eßgeräusche. Er blickte auf den nachtleeren Hinterhof hinab. Sollten sie doch feiern. Zuerst die ganze Plackerei – und dann brauchte man ihn nicht mehr. Ihm konnte es ja egal sein. Wenn Kupfert ihn so sähe? Einsam auf dem Balkon eines Hochhauses, mut- und antriebslos? Beat hörte Geschirrgeklapper und klirrende Gläser. Die Runde schien sich mittlerweile prächtig zu amüsieren. Er gab sich einen Ruck und trat energisch wieder auf. Alle drehten sich um.

«Ich bitte um Applaus für unseren Meisterkoch, Dr. Inderbitzin!» rief Othmar. Applaus. Beat klemmte sich verlegen zwischen Monika und Detlef – sein Groll wich melancholischer Gleichgültigkeit. Gegenüber tuschelten aufgeregt Susanne und Kiki.

«Also wie ihr wißt, war ich ja an dem ‹Vielseitig›-Wettbewerb nicht ganz unmaßgeblich beteiligt.»  Das mußte ja kommen, dachte Beat und beobachtete die Runde. «Und da kriegt man natürlich hinter den Kulissen einiges mit!» Peinliche Stille. Frau Klepzik genoß die vermeintlich gelungene Verschwisterung. «Also ich finde es ja ganz toll, daß es hier so viele romantisch veranlagte Männer gibt!» Beat wurde rot. Susanne flüsterte Detlef ins Ohr. Kiki packte ganz beiläufig einige Brötchen und ein ganzes Hähnchen in eine Papiertüte und schob sie Detlef zu.

«Na ja, aber andererseits», begab sich Frau Klepzik ahnungslos aufs Minenfeld, «muß ich als jemand, die ja ganz stark die Sache der Frau vertritt, auch sagen, daß mir das intelligente Spiel der Frauenseite auch nicht übel gefallen hat.»

Detlef lief rot an, murmelte eine Entschuldigung und verließ die Küche mit der Papiertüte und einer Flasche Mineralwasser. Beat hatte Jenny Klepzik von Anfang an wegen ihres entschlossenen Auftretens geschätzt, aber hier ging ihm ihre Direktheit doch zu weit. Was zwischen Detlef und Susanne lief, ging seine Kollegin nichts an – und darauf schien sie doch offensichtlich anzuspielen. Und er erst – was hatte er nicht für grauenhafte Nächte ausgestanden wegen dieses blöden Wettbewerbs! Er wollte das Thema wechseln, aber Othmar kam ihm zuvor:

«Ach wissen Sie, Frau Klepzik, Romantik in Ehren. Aber uns ging es doch ausschließlich um die Gedichte, um die Literatur. Ihnen doch wohl auch? Das mit dem Sängerwettstreit war doch keine Sekunde lang ernst gemeint, das war schließlich Teil der Fiktion!» Jetzt platzte Beat endgültig der Kragen:

«Wie bitte, nicht ernst gemeint? Und wer hat denn das Ganze ursprünglich angezettelt? Wenn ich mich recht besinne, warst du derjenige, wo uns dazu angestiftet hat!» Beat schlug ungewöhnlich heftig auf den Tisch. «Und überhaupt, du bist so ein Zyniker, ich halte das langsam nicht mehr aus!»

Monika gelang es, die Runde wieder zu beruhigen: «Was mich viel mehr interessiert ist, wie es jetzt eigentlich weitergeht.» Jenny Klepzik bekam nun doch noch die Aufmerksamkeit, die sie sich wünschte. Sie referierte kurz, was nach dem Wettberwerbs-Debakel geschehen war: Alle vier – ganz zweifellos untereinander abgesprochenen – Beiträge waren ohne weitere Diskussion einstimmig disqualifiziert, der Wettbewerb auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Ob die (schnell entlarvten) Autoren noch einmal zugelassen würden, sollte später entschieden werden.

«Was soll denn das Theater! Lächerlich!» sagte  Othmar vor sich hin, «war doch nur ein Scherz, das Ganze, oder?» Er grinste Beat dreist ins Gesicht. «Na ja, Beat dachte wohl im Ernst, so kann er auch mal eine Braut nach Hause führen, was?»

Dann ging alles sehr schnell: Beat stand brüsk auf und zog sich auf sein Zimmer zurück, Susanne lief sofort hinterher. Kiki rief ihr etwas nach, warf dann entschuldigend die Arme hoch und verschwand ebenfalls. Der Rest der Runde blieb ratlos zurück. Monika schenkte sich etwas Wasser nach. Othmar erhob sich langsam und kratzte sich verlegen am Hinterkopf:

«Na ja, wie auch immer. Ich wollte sowieso arbeiten.» Nachdem auch Monika – als hätte sie Angst, allein zurückzubleiben – den Tisch verlassen hatte, blieb einzig Holger Salomon mit Jenny Klepzik zurück. Schweigend leerte er die letzte Weinflasche mit der Buchhändlerin, die sich mittlerweile ziemlich fehl am Platze fühlte. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß Männer eben doch sehr, sehr schwach waren.

 

[ nach oben | Home | Kap. 1 | Kap. 2 | Kap. 3 | Kap. 4 | Kap. 5 | Kap. 6  ]

© Copyright 2000 by Florian Gelzer & Ilja Karenovics
Alle Rechte vorbehalten · Webdesign: Colubra