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er Applaus hörte gar nicht mehr auf.
Ja, man konnte für einmal wirklich ohne Übertreibung von tosendem
Beifall sprechen. Mit Genugtuung konstatierte der Redner, daß es ihm
nach so vielen Jahren immer noch gelang, seinem Ruf als großer
Gelehrter und Vortragender gerecht zu werden. Er blickte von oben in den
abgedunkelten Kongreßsaal hinab, auf das Publikum in seinen weichen
Sesseln, das ihn feierte. Ihn, Martin A. Gresewitz, den großen Doyen
der Gräzistik. Lächelnd nickte er höflich nach links und rechts in
die Tiefen des Saales. Diese Augenblicke waren es, die seinem
Altphilologen-Dasein Sinn gaben, die ihn für die Demütigungen der
profanen Universitätsbürokratie entschädigten. Er raffte sein
Manuskript zusammen – er würde auf diese Absicherung beim nächsten
Mal wirklich verzichten können – und schritt heiter-gemessen die fünf
Stufen hinab, die das Podium von dem mit schalldämpfendem Teppich
ausgelegten Saal trennten. Die
folgenden Momente waren für Professor Gresewitz der Inbegriff von Glückseligkeit:
Er beantwortete die Fragen französischer Latinisten zu griechischen
Spezialthemen auf Englisch, schüttelte fremde und wohlbekannte Hände,
tauschte Zeitschriftenausschnitte, Sonderdrucke und Visitenkarten aus
und plauderte fachmännisch mit seinesgleichen. Mit den Jahren hatte man
gelernt, wie man sich der – zweifellos schmeichelhaften –
Zudringlichkeiten der Kollegen nach einer exakt bemessenen Zeit des
Plauderns (nicht zu lang, nicht zu kurz) entzog: durch unauffällige,
aber nichtsdestoweniger eindeutige Hinweise auf seine Unentbehrlichkeit
an anderer Stelle nämlich. Auch diesmal wurden Gresewitz’ Antworten kürzer,
gedrängter, er selbst ungeduldiger, so daß es seinem Gegenüber als
große Gnade erscheinen mußte, sozusagen als «nun aber wirklich
Letzter» noch sein Anliegen vortragen zu dürfen. Dann
war es vorbei. Professor Gresewitz verließ federnden Schrittes den
Kongreßsaal III «Vancouver» und genoß die Vorstellung, daß die
immer diffuser und leiser an sein Ohr dringenden Stimmen nur eines
besprachen: ihn. Seine bevorstehende Emeritierung würde nichts an
seinem traditionellen Kogreßvorsitz ändern. Während der rundum
verspiegelte Fahrstuhl ihn unter gedämpfter Musikbegleitung in die 14.
Etage des «Boston Holiday Inn» beförderte, brachte er Einstecktuch
und Krawatte in Ordnung, während er sich zufrieden zuzwinkerte. Eine
halbe Stunde später trat Martin A. Gresewitz ins Freie (er hatte übrigens
in Erwägung gezogen, seinen Namen in der Reihenfolge «A. Martin
Gresewitz» aufs Programm drucken zu lassen, wie er es bei
amerikanischen Kollegen gesehen hatte, den Plan dann aber mit Rücksicht
auf zynische Bekannte aus Europa wieder verworfen). Von dem kleinen Straßencafé
aus hatte man freie Sicht auf den großzügigen Eingang des gegenüberliegenden
Parks. Gewandt hatte Gresewitz sich eine Mentholzigarette aus dem
Silberetui geschnappt und sie nachdenklich in das Mundstück gesteckt.
Er hatte Zeit. Viel Zeit. Und das tat gut. Von links näherten sich
lachend zwei junge Mädchen in enganliegender, bunter Sportbekleidung
auf Rollschuhen. Gresewitz ließ sich von der angenehm warmen
herbstlichen Abendstimmung entführen. Ein Hotdogstand am Parkeingang.
Spielende Kinder. Eine ältere Frau führt ihren Hund spazieren.
Unbeschwerter Feierabend. Fröhliche junge Leute aus allen Gegenden der
Welt. Aus
allen Weltgegenden waren sie gekommen, um ihn zu hören – unter
anderem natürlich. Der Altphilologie ging es schlecht, das Fach war im
Aussterben begriffen, besonders in Europa. Die wenigen guten
Nachwuchswissenschaftler verteilten sich schnell auf die begehrten
amerikanischen Lehrstühle. Die Kehrseite der Medaille war, daß man
sich auf solchen Kongressen nahezu vollzälhlig versammeln konnte. Man
kannte sich – man war eine große Familie. Von überall her kamen sie,
die letzten Vertreter dieser einstmals großen Königsdisziplin, die
wild entschlossen waren, die Ehre ihres stolzen Faches trotzig zu
verteidigen gegen alle Anfechtungen der so schnell vergänglichen
Epochen der Moderne, Postmoderne, Postpostmoderne und was da immer
kommen mochte. Sie würden sie alle überdauern. Noch gab es sie – in
Amerika, Asien, Australien, Europa, gerade auch in Osteuropa. Es
durchlief Gresewitz plötzlich siedendheiß. Osteuropa – da sollte
doch dieser Tage der neue IKS-Kollege aus Litauen ankommen. War das
nicht am Ende sogar heute? Gresewitz waren die alltäglichen
organisatorischen Obliegenheiten, die sein Amt beschwerlich machten ein
Graus – er genoß es, zu repräsentieren. Das hier aber konnte
peinlich ausgehen, man hatte immerhin eine gewisse Verantwortung dem
Gast gegenüber. Er zog ein Handy aus seiner Handschlaufentasche und war
schon etwas beruhigt, als er, wenn auch etwas wacklig, regelmäßige
Ruftöne vernahm. Seine Hand fuhr wie von selbst durchs Haar und strich
über die linke Augenbraue, während er wartete. «Frau
Zischer, ist das ein Glück, daß ich Sie erreiche – mein Gott, bei
Ihnen muß es ja schon Nacht sein, ich habe Sie doch hoffentlich nicht
geweckt.» «Na
ja, normalerweise schlafe ich um Mitternacht schon, Herr Gresewitz. Aber
heute ist was anderes.» «Was
wäre ich nur ohne Sie! Sie denken auch wirklich an alles.
Offengestanden ist mir der Herr Semonta erst jetzt eben eingefallen, ist
der schon heute gekommen?» «Smetona,
Herr Gresewitz, Smetona! Kommt drauf an. Er hätte heute kommen sollen, jetzt ist aber genau
genommen schon morgen. Aber wir sind guter Dinge, er muß jede Minute
eintreffen – alles vorbereitet, Sie kennen mich doch, Ihre Frau hat
liebenswürdigerweise auch mitgeholfen.» «Ja,
auf Sie kann man sich wirklich verlassen. Da fällt mir ein Stein vom
Herzen. Sie können sich ja nicht vorstellen, was hier los ist. Ich habe
keine freie Minute. Mein Vortrag soll übrigens ‹splendid› gewesen
sein. Nun gut. – Dann wird ja bei Ihnen bald einiges los sein – grüßen
Sie den Neuankömmling herzlich von mir. Ich lasse von mir hören.» In
Bellnau war gar nichts los. Seit fünf Uhr nachmittags wartete Frau
Zischer in der festlich geschmückten Eingangshalle des IKS-Neubaus, der
mit der Ankunft des Direktors inoffiziell bereits vor der öffentlichen
Feier eingeweiht werden sollte. Einige freiwillige Studentinnen hatten
geholfen, den Saal zu schmücken, Professor Klüstrow, im Nebenberuf ein
leidenschaftlicher Indogermanist alter Schule, hatte voller Stolz ein
Transparent mit einem litauischen Willkommensgruß entrollt und
trainierte seither an der neuen Beleuchtungsanlage. Um sieben war Frau
Uta Gresewitz mit Selbstgebackenem eingetroffen. Jenny Klepzik (die
eigentlich für die weibliche Kandidatin, Gudrun Drobitzki, votiert
hatte) hatte ein signiertes Exemplar des teuren «Bellnauer Jahrbuchs»
als kleines Geschenk der Buchhandlung UraNuss für den Gast
bereitgelegt. Sogar Henning Wembel war zur allgemeinen Überraschung in
edlem Tuch aufgekreuzt und hatte mit Frau Lemmings weitere Stühle
herbeigeschafft. Professor Smetona war auf acht Uhr erwartet worden.
Aber man hatte Verständnis für die Verspätung, die bei solchen
Distanzen ja nicht ausbleiben konnte. Wembel
hatte sich um halb neun schon wieder verabschiedet, mit der Bemerkung,
er sei Realist genug, um die Nacht nicht wegen einer läppischen
Trabi-Panne unproduktiv verstreichen zu lassen; man könne ihn ja im
Fall der Fälle telefonisch erreichen. Um neun Uhr hatte Frau Klepzik
den Lichtorgel spielenden Klüstrow angeherrscht, er solle doch endlich
mit dieser nervtötenden Kinderei aufhören, worauf der sich unauffällig
in seinen Keller verzogen hatte. – Die erwartungsfrohe Stimmung war längst
verflogen und hatte einer gereizten Katerstimmung Platz gemacht. Frau
Zischer hatte ihr Verständnis geäußert, falls jemand gehen wolle, sie
würde die Stellung halten. Seit elf Uhr war Frau Zischer allein –
Gresewitz’ Gattin hatte bis halb elf ausgeharrt und dann die Reste
Ihres Gebäcks wieder mitgenommen. Gegen zwölf war dann der Anruf von
Gresewitz gekommen. Die Hoffnung schwand, aber sie stellte sich immer
wieder den armen Reisenden vor, wie er hier nachts vor verschlossenen Türen
stehen würde. Jemand mußte ihm doch seine Unterkunft zeigen. Einmal
war sie aus dem Halbschlaf hochgeschreckt – sie hatte etwas gehört
und schaute angestrengt durch die Glasfront auf den beleuchteten
Vorplatz. Aber
es war nur Wenzel Klüstrow gewesen, der geistesabwesend zum Parkplatz
schlurfte. Aufdringliche Küchengerüche durchdrangen die Räume der
Wohngemeinschaft an der Stedtnauerstraße. Laute Musik dröhnte aus dem
Wohnzimmer. Am Glastisch in der Mitte der Küche hatte sich Othmar Asche
eingerichtet. Ordner, Schnellhefter, Textmarker und andere Utensilien
waren um seinen Laptop herum aufgetürmt. Er versuchte seine letzten
Vorlesungsnotizen in den Computer zu übertragen – und für diese
bedeutungsvolle Aufgabe, so hatte Othmar seinen Mitbewohnern deutlich
gemacht, war sein eigener Schreibtisch entschieden zu klein. Überhaupt
war er der Überzeugung, daß er als Dienstältester – die Wohnung war
schließlich auf seinen Namen gemietet – sehr wohl gewisse Vorrechte
beanspruchen dürfe. Beat
Inderbitzin war schon seit Stunden in der Küche zugange. Er hatte schon
vormittags eingekauft, Brötchen belegt und Getränke kühl gestellt.
Soeben war er dabei, drei Brathähnchen vor dem zweiten Ofengang
kunstvoll zu marinieren. Seit seinem Einzug in die Stedtnauerstraße
hatte sich Beat darum bemüht, im Haushalt eine passable Figur abzugeben
(nicht zuletzt, um Susanne zu beweisen, daß auch Männer dazu ganz gut
in der Lage waren). Das war ihm so gut gelungen, daß er mitlerweile der
einzige war, der sich noch um Hausarbeiten kümmerte. Die Stimmung war
geladen. Beats Nerven lagen blank. Othmar machte nicht die geringsten
Anstalten, auch nur den Tisch freizuräumen. «Othmar!
Hör einmal, wer kommt jetzt eigentlich alles zum Nachtessen?» rief
Beat gereizt und trocknete sich die Hände ab. «Und – könntest du
nicht jeweils wenigstens das Fenster öffnen, wenn du rauchst?» Othmar
verschränkte die Hände hinter dem Kopf und lehnte sich in seinem Stuhl
zurück. Verbissen zerhackte Beat eine Zwiebel und schmiß die Stücke
in heißes Öl. «Na,
komm schon, Mister Schweiz. Ich kann doch nicht jedesmal eine Gästeliste
schreiben; sei doch mal ein bißchen locker. – Hast du eigentlich noch
alles im Griff? Das riecht plötzlich so komisch …» Er wandte sich
zur Tür: «Ah, da kommt ja endlich die Verstärkung!» Unter
irrem Gelächter und mit großem Getöse stürzte Susanne mit Detlef und
Kiki Wentzlaff im Schlepptau herein. Detlef, offenbar leicht beschwipst,
ließ sich auf einen Stuhl fallen und zog Susanne, die glucksend die
Augen verdrehte, auf seinen Schoß. Sehr ernst erkundigte sich die
blasse Kiki bei Beat, ob sie ihm irgendwie helfen könne. Er schüttelte
grimmig den Kopf und pfefferte das kleingeschnitte Gemüse in die
Pfanne. «Puh,
ist das aber stickig hier!» kreischte Susanne und fächelte sich gekünstelt
Luft zu, «wie könnt ihr das bloß aushalten!» Wieder Gewieher. «Die
kleinen Dinger hier schmecken ja wirklich toll, Beat! Was ist denn da
drin?» Das kam von Detlef, der unerlaubterweise vom Gebäck genascht
hatte. Es klingelte. «Das wird wohl Holger sein. Läßt du mich mal
schnell durch, Susanne?» Etwas wacklig ging Detlef zum Aufzug. «Himmel,
Kiki! Du bringst ja alles durcheinander. Was ist denn das für ein Streß?
Es ist doch Wochende!» Kiki fuhr unbeirrt fort, den Tisch abzuräumen
und warf Othmar einen abschätzigen Blick zu. Detlef
kam zurück. Er hing schlaff zwischen Holger Salomon und der zierlichen
Monika Eggebert, die ihn kaum stützen konnte, und spielte den schwer
Betrunkenen. Dahinter folgte, sichtlich verunsichert – Jenny Klepzik.
Beat hatte sie leichtfertigerweise nach der IKS-Sitzung eingeladen und
befürchete nun das Schlimmste. Als wären die Eltern früher als
erwartet in die Schülerparty geplatzt, machte sich Mißbehagen breit. «Hallo,
guten Abend! Wer wohnt denn nun eigentlich hier? Ich hab da nämlich was
Kleines aus der UraNuss mitgenommen.» Die Klepzik war stolz auf ihren
guten Draht zu den Jungen – letztlich gehörte sie ja trotz ihrer 52
Jahre immer noch dazu. Überdreht-erwartungsvoll sah sie sich um und
legte das Buch dann resigniert auf die Anrichte. Susanne
flüsterte Detlef eindringlich ins Ohr. Der war plötzlich nüchtern.
Othmar riß Balkontüre und Fenster auf und leerte die Aschenbecher.
Detlef reichte Käsebrötchen und Weißwein. Monika massierte ihre
Schulter. Nur Holger saß mit verschränkten Armen in einer Ecke. Später
stand Beat allein auf dem Balkon. Er hatte die Küchenschürze
abgestreift und die Balkontüre angelehnt. Von innen hörte man gedämpfte
Eßgeräusche. Er blickte auf den nachtleeren Hinterhof hinab. Sollten
sie doch feiern. Zuerst die ganze Plackerei – und dann brauchte man
ihn nicht mehr. Ihm konnte es ja egal sein. Wenn Kupfert ihn so sähe?
Einsam auf dem Balkon eines Hochhauses, mut- und antriebslos? Beat hörte
Geschirrgeklapper und klirrende Gläser. Die Runde schien sich
mittlerweile prächtig zu amüsieren. Er gab sich einen Ruck und trat
energisch wieder auf. Alle drehten sich um. «Ich
bitte um Applaus für unseren Meisterkoch, Dr. Inderbitzin!» rief
Othmar. Applaus. Beat klemmte sich verlegen zwischen Monika und Detlef
– sein Groll wich melancholischer Gleichgültigkeit. Gegenüber
tuschelten aufgeregt Susanne und Kiki. «Also
wie ihr wißt, war ich ja an dem ‹Vielseitig›-Wettbewerb nicht ganz
unmaßgeblich beteiligt.» Das
mußte ja kommen, dachte Beat und beobachtete die Runde. «Und da kriegt
man natürlich hinter den Kulissen einiges mit!» Peinliche Stille. Frau
Klepzik genoß die vermeintlich gelungene Verschwisterung. «Also ich
finde es ja ganz toll, daß es hier so viele romantisch veranlagte Männer
gibt!» Beat wurde rot. Susanne flüsterte Detlef ins Ohr. Kiki packte
ganz beiläufig einige Brötchen und ein ganzes Hähnchen in eine
Papiertüte und schob sie Detlef zu. «Na
ja, aber andererseits», begab sich Frau Klepzik ahnungslos aufs
Minenfeld, «muß ich als jemand, die ja ganz stark die Sache der Frau
vertritt, auch sagen, daß mir das intelligente Spiel der Frauenseite
auch nicht übel gefallen hat.» Detlef
lief rot an, murmelte eine Entschuldigung und verließ die Küche mit
der Papiertüte und einer Flasche Mineralwasser. Beat hatte Jenny
Klepzik von Anfang an wegen ihres entschlossenen Auftretens geschätzt,
aber hier ging ihm ihre Direktheit doch zu weit. Was zwischen Detlef und
Susanne lief, ging seine Kollegin nichts an – und darauf schien sie
doch offensichtlich anzuspielen. Und er erst – was hatte er nicht für
grauenhafte Nächte ausgestanden wegen dieses blöden Wettbewerbs! Er
wollte das Thema wechseln, aber Othmar kam ihm zuvor: «Ach
wissen Sie, Frau Klepzik, Romantik in Ehren. Aber uns ging es doch
ausschließlich um die Gedichte, um die Literatur. Ihnen doch wohl auch?
Das mit dem Sängerwettstreit war doch keine Sekunde lang ernst gemeint,
das war schließlich Teil der Fiktion!» Jetzt platzte Beat endgültig
der Kragen: «Wie
bitte, nicht ernst gemeint? Und wer hat denn das Ganze ursprünglich
angezettelt? Wenn ich mich recht besinne, warst du derjenige, wo uns
dazu angestiftet hat!» Beat schlug ungewöhnlich heftig auf den Tisch.
«Und überhaupt, du bist so ein Zyniker, ich halte das langsam nicht
mehr aus!» Monika
gelang es, die Runde wieder zu beruhigen: «Was mich viel mehr
interessiert ist, wie es jetzt eigentlich weitergeht.» Jenny Klepzik
bekam nun doch noch die Aufmerksamkeit, die sie sich wünschte. Sie
referierte kurz, was nach dem Wettberwerbs-Debakel geschehen war: Alle
vier – ganz zweifellos untereinander abgesprochenen – Beiträge
waren ohne weitere Diskussion einstimmig disqualifiziert, der Wettbewerb
auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Ob die (schnell entlarvten)
Autoren noch einmal zugelassen würden, sollte später entschieden
werden. «Was
soll denn das Theater! Lächerlich!» sagte
Othmar vor sich hin, «war doch nur ein Scherz, das Ganze, oder?»
Er grinste Beat dreist ins Gesicht. «Na ja, Beat dachte wohl im Ernst,
so kann er auch mal eine Braut nach Hause führen, was?» Dann
ging alles sehr schnell: Beat stand brüsk auf und zog sich auf sein
Zimmer zurück, Susanne lief sofort hinterher. Kiki rief ihr etwas nach,
warf dann entschuldigend die Arme hoch und verschwand ebenfalls. Der
Rest der Runde blieb ratlos zurück. Monika schenkte sich etwas Wasser
nach. Othmar erhob sich langsam und kratzte sich verlegen am Hinterkopf: «Na ja, wie auch immer. Ich wollte sowieso arbeiten.» Nachdem auch Monika – als hätte sie Angst, allein zurückzubleiben – den Tisch verlassen hatte, blieb einzig Holger Salomon mit Jenny Klepzik zurück. Schweigend leerte er die letzte Weinflasche mit der Buchhändlerin, die sich mittlerweile ziemlich fehl am Platze fühlte. Sie tröstete sich mit dem Gedanken, daß Männer eben doch sehr, sehr schwach waren.
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